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Donald Trump ist der "Beginn einer Katastrophen-Lawine" EKD-Kulturchef sieht "Zivilisationsbruch" in USA

Die Vereidigung des neuen US-Präsidenten Donald Trump ist nach Auffassung des EKD-Kulturbeauftragten Johann Hinrich Claussen "die Folge eines Knäuels von Katastrophen". Zugleich dürfte es "der Beginn einer Katastrophen-Lawine werden", sagte Claussen. In Amerika sei "ein Zivilisationsbruch" geschehen. Der Konsens über die Demokratie und ihre wichtigsten Institutionen sei in den USA ebenso zerstört worden wie ein Einverständnis über die offene Gesellschaft und jedes Gefühl für Anstand und Respekt.

"Die Vereinigten Staaten standen immer für Freiheit und Fairness, Demokratie und Sportsgeist, Fortschritt und Humor, Gleichberechtigung und Coolness", sagte der evangelische Theologe: "Dieses Bild ist zerbrochen." Was jetzt an die Macht gekommen sei, "sieht hässlich aus, ist laut, klingt dumm, wirkt gemein und macht Angst". Ein "globalisierter Kapitalismus" habe hier seine eigenen gesellschaftlichen Grundlagen zerstört. Die Folge sei "ein rücksichtsloses Profitdenken und eine Kommerzialisierung fast des gesamten Lebens".

Perspektivlose Menschen aus der Provinz hätten einen Multimilliardär aus New York gewählt, nur weil dieser so rabiat ihre Wut bediene. Zwar gehöre ein Mindestmaß an Wut zur Demokratie. Aber Wut sei "ein heißes Gefühl" und lasse sich leicht manipulieren. Wer nur geschickt die Wut der Massen aufwiegele, könne Macht gewinnen und von realen Problemen und eigenen Interessen ablenken. Die Folge sei "eine Abschottung nach außen und eine Spaltung im Innern".

"Man muss sich also auf das Schlimmste einstellen"

Der neue US-Präsident habe die Erfolge dieser Doppelstrategie aufgezeigt: "Man muss nur fähig sein, in einem Ausmaß zu lügen und zu beleidigen, wie es normalen Menschen nicht möglich ist." Das Problem dieser Strategie sei, dass man sie nach einem Wahlerfolg nicht fallenlassen könne. Bei dem neuen Präsidenten sei nicht mit Mäßigung, Professionalität, Besonnenheit und Selbstdisziplin zu rechnen. Die einzige Hoffnung sei, dass der neue Präsident an der eigenen Berufsunfähigkeit scheitern werde. Doch diese Hoffnung sei bereits im Wahlkampf enttäuscht worden. Claussen: "Man muss sich also auf das Schlimmste einstellen."

Auch in Deutschland würden mit der Doppelstrategie "Abschottung nach außen - Spaltung im Innern" Wahlerfolge erzielt. Angegriffen werde damit auch hierzulande die offene Gesellschaft. "Die Zeiten sind vorbei, da die Demokratie sich von allein verteidigt hat", sagte Claussen. Als Bürger müsse man sich heute einmischen. Es brauche Parteien zur politischen Willensbildung. Sie verdienten Interesse, präzise Kritik und Beteiligung. Mehr und geeignetere Menschen müssten sich in ihnen engagieren.

Erforderlich seien auch unabhängige Qualitätsmedien. Die sozialen Netzwerke seien zu anfällig für Manipulationen, als dass sie sie ersetzen könnten. Ebenso nötig seien "lebendige Zwischen-Institutionen" wie Vereine, Verbände, Gewerkschaften, verbindliche Netzwerke und die Kirchen. In ihnen könnten sich Bürger für ihre Belange einsetzen, politische Erfahrungen sammeln, einen Einblick in die Komplexität der Dinge nehmen und die Mühen, aber auch die Freuden der Kompromisssuche erleben: "Das ist mehr, als nur im Internet Meinungen von sich zu geben."


Quelle: epd